Velocity made Good

Die Staande Mastroute. Des Seglers (Alp)Traum.

Da war es gekauft. Das neue Boot. Medusa. Freude und Euphorie. Es gab nur einen Haken. Des Niederlandes falsche Seite. Konkret, unser Heimatrevier ist aktuell das Ijseelmeer. Dort fühlen wir uns wohl. Medusa würde sich da auch sehr wohl fühlen, würde, erstmal muss sie irgendwie dahin. Dramatisch ist es nicht, vom Grevelinger Meer ins Ijsselmeer. Mal eben in Stellendam raus auf die Nordsee, Ijmuiden wieder rein, durch Amsterdam und schon daheim.

Aber das wollten wir nicht. Wir kannten das Boot noch überhaupt nicht, das Wetter war durchwachsen und das Zeitkontingent begrenzt. Also musste eine kalkulierbare und garantiert in der vorhandenen Zeit zu bewältigende Route her. Drei Wochen mussten wir mit dem Gedanken schwanger gehen das 38" Boot mit ca 2m Tiefgang durch die Kanäle des holländischen Binnenlandes zu navigieren. Kein Segel setzen, kein Autopilot, keine Ruderpausen. Aber vielleicht ja schön Landschaft!?

Verteilt auf zwei Wochenenden wurde es dann Realität. Der 17m Mast schob sich langsam vom Port Zelande, durch Dordrecht, Gauda, vorbei an Rotterdam, durch das Braassemermeer, und final mitten durch Amsterdam durch die Entengrütze der holländischen Kanäle. Und damit teilweise 8bft in Böen.

Mal ganz kurz zusammengefasst:

Am 27.09 ging es von Port Zelande nach Strijensas, wo wir das Boot bis zum 3ten Oktober geparkt haben. An dem Tag waren es ja nur 3 Schleusen, allerdings alles bei 7-8bft in Böen. Zwei Freunde haben uns begleitet und letztendlich sind wir heil dort angekommen.

Am Mittwoch den 2ten Oktober sind wir Nachts um 01:00hr nach etlichen Staus wieder in Strijensas angekommen, hatten vorher ein Auto in den neuen Heimathafen gebracht. Nach dem Vorbereiten des Boots hatten wir 03:00h morgens. Ich habe mir dann zu Wiebkes Belustigung noch den Wecker gestellt um ein bisschen die Augen zu schließen. Nach ganzen 35 Minuten mit geschlossenen Augen ging es um 04.10 los. Wollten wir doch in Dordrecht die erste Brückenöffnung um 06.14 schaffen. Stockfinster dank dichter Bewölkung sind wir mit Unterstützung des Nachtsichtgeräts dann pktl. durch diese erste kritische Brück geschlüpft. Alleine, bei Regen Kälte und Uhrzeit kein Wunder.

Dann kam das Übliche, die SMR mit allen ihren Vor- und Nachteilen aber ohne größere Zwischenfälle und einer Übernachtung in einem kleinen Ort kurz vor dem Braassemermeer, sprich auch durch Gauda etc. sind wir gut durchgekommen und das Timing hat gepasst. Das Wetter natürlich nicht.

Dann mein navigatorischer Fauxpas und um 15 Minuten haben wir die Öffnung der A9 Brücke Schiphol verpasst. Also von 13.45 bis 20 Uhr schön unter dem Lärm der startenden Maschinen und des Autobahnkreuzes am Wartebalken gehangen. Das bei zunehmendem Unwetter mit starkem Regen und Böen. Also alles dicht, Wecker stellen, Dieselheizung an und pennen, nachdem die Nächte davor zu kurz waren. Nach dem Aufwachen um 18:30h hatten sich noch drei andere Boote an dem Balken dazugesellt, zwei Holländer und ein Deutscher der einhand auch auf einer Überführung unterwegs war. Das war dann auch die Truppe mit der wir im Konvoi von 4 Booten durch Amsterdam sind.

5.) Die Fahrt durch Amsterdam geht ja nur nachts. Um 00.06h sollte es laut erster Funkansage losgehen. Korrektur erfolgte kurze Zeit später, um 01.15h ging es dann los. Wie gesagt, mit nur vier Schiffen im Konvoi. Amsterdam war wie ausgestorben, also der Stadtteil durch den man fährt. Um ca. 3:30 (glaube ich) waren wir dann in der Amsterdam Marina. Bis 05:00 Uhr noch mit dem Einhand-Deutschen ein paar Bierchen an Deck getrunken, dann tot in die Koje gefallen.

Um ca. 11.30 am nächsten Tag sind wir dann Richtung Markermeer aufgebrochen, wo wir so glücklich waren nach dem Kanalgeraffel mal die Segel setzen zu können. Nur um den Wind genau gegenan zu haben. War klar. Trotzdem ein bisschen Segeln unter Autopilot genossen. Bzw. genossen, dass der Diesel mal aus war. Gegen 18.45 waren wir dann in der Flevo Marina. Durchgefroren und todmüde direkt ins warme Restaurant, Dusche, Bett.

Also; Donnerstag 04:10h los, Samstagabend um 18:45h in der Flevo. Dazwischen ganz vielen kleine skurile Geschichten, wenig Schlaf, interessante Leute, leere Funkgeräte, leergeglaubte Dieseltanks (dem war aber gar nicht so, trotzdem 3km zu ner Tankstelle gelatscht), super freundliche bis nicht antwortende Brücken- und Schleusenmenschen, viel Regen, Kälte, nur kurze Momente der Sonne (die sich angefühlt haben wie das Paradies) und nun das gute Gefühl, dass das Schiff da ist wo es hingehört.

 

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